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20 November 2001

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Osteuropa widersteht globalem Abschwung

Transition Report der EBWE sieht anhaltend starkes Wachstum von mehr als 4 Prozent in 2001

Ineffiziente Nutzung der Energiequellen der Region behindert das Wachstum und schadet der Umwelt

Das Wachstum in Mittel- und Osteuropa (MOE) und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) hat sich 2001 nur leicht abgeschwächt. Die meisten Länder der Region zeigten sich gegenüber dem globalen Konjunkturabschwung widerstandsfähiger als andere Schwellenmärkte, so der jüngste heute von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung veröffentlichte Transition Report. Nach seiner Prognose soll das Wachstum in der Region nach 5,5 Prozent im Jahr 2000 im laufenden Jahr um 4,3 Prozent zunehmen.

Die Widerstandskraft ist zurückzuführen auf die fortgesetzten Reformbemühungen von Ländern, die die Beitrittsbedingungen der EU zu erfüllen suchen, sowie auf die von hohen Energiepreisen und einer wettbewerbsfähigen Währung vorangetriebene Erholung Russlands. Jedoch sei die Region, so warnt der Report, nicht immun gegenüber den Risiken eines anhaltenden globalen Wirtschaftsabschwungs und werde einer sich abschwächenden Nachfrage nach ihren Exporten und weiteren Preisschwankungen für Öl und andere Exportrohstoffe standhalten müssen.

Nachhaltige Reformfortschritte sind nach wie vor selbst in den relativ fortgeschrittenen mitteleuropäischen Ländern von entscheidender Bedeutung. Diese Anstrengungen helfen Ländern beim Umgang mit Ungewissheiten und Veränderungen in der globalen Wirtschaft. In einem Sonderteil bestätigt der Report, dass der Energiereichtum sich in den letzten Jahren günstig auf Russland und die öl- und gasreichen Länder der Kaspischen Region ausgewirkt hat. Allerdings sei zu wenig getan worden, so der Bericht, um diesen Reichtum in eine Quelle langfristigen Wachstums zu verwandeln. Der Energiesektor - und das für manche Länder damit verbundene Risiko verzerrter Entwicklung und volkswirtschaftlichen Mismanagements - ist nach wie vor eine entscheidende Herausforderung für die Zukunft.

Willem Buiter, Chefvolkswirt der EBWE, hält die Schwellenländer Europas noch immer für einen der wenigen Lichtpunkte in einem sonst verdüsterten globalwirtschaftlichen Umfeld. Das Wachstum werde sich wahrscheinlich auch im Jahr 2002 fortsetzen, wenngleich langsamer - um etwa 3 Prozent. Ein weiterer weltweiter Abschwung würde die Aussichten allerdings noch verschlechtern. Herr Buiter hob hervor, dass die relative Widerstandskraft der Region zum Teil auf der Stärke der Reformen beruhe. Weitere Fortschritte erforderten aber Anstrengungen in Richtung auf eine stärkere Haushaltskonsolidierung und eine verbesserte einheimische Ersparnis.

Im Sonderteil zum Thema Energiesektor kommt der Report zu dem Schluss, dass die Region ihr Potenzial als Energieproduzent und -exporteur noch längst nicht ausgeschöpft hat. Ernsthafte Beschränkungen für Investitionen in den Sektor stellten nach wie vor ein großes Hindernis dar. Darüber hinaus könnten die Länder der Region viel mehr für die Förderung des effizienten Energieverbrauchs tun.

Laut Report müssen Russland und die Kaspische Region die Unternehmensführung stärken um Investoren zu attrahieren, sowie die gesetzliche und institutionelle Basis für die Förderung des Wettbewerbs beim Transport von Öl und Gas schaffen. Darüber hinaus seien potenzielle Einkünfte aus Energiequellen durch schlecht gezielte Verbrauchersubventionen und häufige Zugeständnisse an begünstigte Produzenten verschwendet worden. Diese sollten eliminiert und Einkünfte statt dessen zur Unterstützung einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung eingesetzt werden, unter anderem durch die Stärkung der inländischen Ersparnis sowie Investitionen in Bildung und physischem Kapital.

Der Energieverbrauch der Region insgesamt ist nach wie vor höchst ineffizient. Sie verbraucht relativ zum BIP zwischen vier (Mitteleuropa und Baltikum) und 13 (GUS) mal so viel Energie wie Westeuropa. Laut Report wäre die Anhebung der Energiepreise für Haushalte und Industrieverbraucher ein entscheidender Beitrag zur Lösung. Gleichzeitig müsste ein institutioneller Rahmen geschaffen werden, der Privatinvestitionen im Stromsektor fördert und diejenigen unterstützt, die sich höhere Energiepreise nicht leisten können.

Zusammenfassung der allgemeinen Fortschritte im Transformationsprozess

  • Die Aussicht auf den EU-Beitritt übt einen bedeutenden Einfluss auf den Umfang der Reformen in Mitteleuropa, im Baltikum und in Südosteuropa aus. Um diesen Reformschwung zu erhalten, muss die Glaubhaftigkeit des Beitrittsprozesses durch eine effektive Reform der EU-Institutionen und Maßnahmen zur Verminderung und Mitübernahme der Beitrittskosten in den Kandidatenländern gestützt werden.
  • Bosnien und Herzegowina, die Bundesrepublik Jugoslawien und Rumänien, die von den günstigen Entwicklungen in Südosteuropa profitieren, haben alle im vergangenen Jahr erhebliche Reformfortschritte erzielt. In der Tat verzeichnete Jugoslawien im vergangenen Jahr unter allen Einsatzländern der EBWE die eindrucksvollsten Fortschritte bei Strukturreformen.
  • Die Umsetzung von Reformen in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten hat merklich an Schwung gewonnen.
  • In Russland beginnen Mehrheitsaktionäre und Manager sich im Interesse einer Steigerung des Aktienwerts zu verhalten, anstatt Vermögenswerte und Einkünfte zugunsten privater Gewinne zu zerschlagen.
  • Es ist für die GUS vorrangig, durch den Beitritt zur Welthandelsorganisation mehr internationalen Handel und Investitionen zu fördern, insbesondere für Russland, aber auch für die Ukraine, Kasachstan und Usbekistan. Die Übernahme liberalerer und offenerer Handelssysteme in diesen Ländern wäre für die kleineren GUS-Volkswirtschaften, von denen einige bereits der WTO beigetreten sind, äußerst vorteilhaft.
  • Als längerfristiges Ziel könnten die Europäische Union und die Vereinigten Staaten den Abschluss von Freihandelsabkommen mit Russland ins Auge fassen, um auf diese Weise in der gesamten GUS die Unterstützung der Bevölkerung für eine größere wirtschaftliche Öffnung zu untermauern.
  • Überdies haben sich 2001 die Rechtsreformen in der Region insgesamt beschleunigt. Viele Länder setzen neue Handelsgesetze in Kraft.
  • Die öffentliche Beteiligung an Umweltbeschlüssen entwickelt sich in der gesamten Region durch die Annahme von Gesetzen und Verfahren zu Umweltverträglichkeitsprüfungen. Es ist wichtig sicherzustellen, dass diese Gesetze und Verfahren effektiv umgesetzt werden.

Gesamtwirtschaftliche Performanz und Aussichten nach Regionen

  • Mitteleuropa und das Baltikum sind besonders anfällig gegenüber einem Rückgang des Exporthandels mit der Europäischen Union sowie einem verminderten Angebot ausländischer Direktinvestitionen und anderen Risikokapitals.
  • Obwohl die Exporte bis April widerstandsfähig blieben, hing das Wachstum zunehmend von einer kräftigen Binnennachfrage ab. Mit der Abnahme der Nettoexporte geht die grundlegende Prognose von einem mäßigen Rückgang des Wachstums in der Region auf unter 3 Prozent sowohl im laufenden als auch im kommenden Jahr aus.
  • Es wird notwendig sein, das Wachstum zu unterstützen, ohne die bereits hohen Haushalts- und Außendefizite zu verschlimmern. Die beste Chance liegt in einer Haushaltsstraffung im Verein mit einer flexibleren Geldpolitik.
  • Diese Aktivitäten erfordern eine besondere politische Entschlossenheit, da in den meisten großen Volkswirtschaften der Region Wahlen bevorstehen.
  • Das Wachstum in Südosteuropa dürfte im Jahr 2001 mit 4 Prozent stark bleiben, was weitgehend auf die Erholung in Rumänien und Jugoslawien zurückzuführen ist. Allerdings sind die Aussichten für 2002 aufgrund des globalen Wirtschaftsabschwungs eher ungewiss.
  • Die Region sollte ihre Anstrengungen auf die Einwerbung von Zuströmen ausländischer Direktinvestitionen durch Verbesserungen des Investitionsklimas, eine Fortsetzung der Privatisierungen und vielleicht auch durch wohlgezielte Investitionsanreize wie beispielweise Steuererleichterungen und Unterstützung für die Neuansiedlung von Unternehmen konzentrieren.
  • Die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten wird in den Jahren 2001-02 ein hohes, aber sinkendes Wachstum verzeichnen, in der Hauptsache aufgrund eines abnehmenden Expansionstempos in Russland, der Ukraine und in Kasachstan. Für die Region wird 2001 ein Wachstum in Höhe von 5,8 Prozent erwartet.
  • Das russische Wachstum - die Erwartungen liegen für 2001 bei 5,5 Prozent - dürfte sich in den nächsten Monaten abschwächen, was negative Auswirkungen für die Handelspartner in der Region mit sich bringen wird.
  • Da die Aussichten für Ölpreise nach wie vor ungewiss sind, könnte der vorausgesagte Abschwung des russischen Wachstums deutlicher ausfallen als gegenwärtig erwartet, was zu Dominoeffekten in der übrigen GUS führen würde.
  • Russland kann durch eine vorsichtige Haushalts- und Finanzsteuerung zur Milderung der Auswirkung der Ölpreisschwankungen beitragen - bei hohen Rohstoffpreisen zum Beispiel durch Rücklage der Einnahmen für schwerere Zeiten, wenn die Einkünfte niedrig sind. In dieser Hinsicht wurden einige Fortschritte erzielt.
  • Länder, die aufgrund der Krise in Afghanistan möglichen Bedrohungen für ihre Sicherheit ausgesetzt sind, werden wahrscheinlich Hilfe von westlichen Regierungen und internationalen Finanzinstitutionen benötigen. Diese Hilfe wird am effektivsten sein, wenn sie mit erneuten Anstrengungen bei den Strukturreformen gekoppelt wird.

Presseexemplare des Transition Report 2001 sind beim Communications Department der EBWE (Loretta Martikian) erhältlich:

Tel: +44 (0) 20 7338 7805

Fax: +44 (0) 20 7338 6754

Der Transition Report 2001 ist für £30 zu beziehen bei:

EBRD Publications Desk

Tel: +44 (0) 20 7338 7553

Fax: +44 (0) 20 7338 6102

E-mail: pubsdesk@ebrd.com

Außerdem ist der Transition Report im Buchhandel zu beziehen.

Der Transition Report 2001 bietet eine eingehende Wertung der Fortschritte im Transformationsprozess. Er vereinigt eine regionsübergreifende mit einer auf Einzelländern basierenden Analyse des Reformprozesses. Darüber hinaus untersucht er die gesamtwirtschaftliche Performanz und bietet einen Überblick über die Aussichten der Region. Die Reihe der Transition Reports begann im Jahr 1994 und dokumentiert auf einzigartige Weise die historischen politischen und wirtschaftlichen Reformen in MOE und GUS sowie ihre Auswirkung auf die wirtschaftliche Performanz.

Press contact:

Jeff Hiday, Head of Media Relations - Tel: +44 20 7338 6997; E-mail: hidayj@ebrd.com


Press contact:
Anthony Williams, Head of Media Relations - Tel: +44 20 7338 6997; E-mail: williama@ebrd.com



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